Facebook – Das Betriebssystem für’s Internet?
8. Mai 2010 | von Matthias | Kategorie: Social MediaDer Wandel vom Social Network zum virtuellen Betriebssystem
Wir reden hier nicht von einem Betriebssystem im eigentlichen Sinn, wie Windows oder MacOS, das Betriebsmittel wie Speicher, Ein- und Ausgabegeräte verwaltet und die Ausführung von Programmen steuert. Vielmehr wäre es ein virtueller Knotenpunkt auf Anwendungsebene, der die aktuelle Distanz zwischen Heim-PC und Online-Angeboten derart verkürzt, dass in Zukunft kaum noch ein Unterschied zwischen Online und Offline Anwendungen bestehen wird.
Als Cloud-Anwendung beinhaltet Facebook schon viele Aspekte eines virtuellen Betriebssystems. Die Apps und Facebook Connect erweitern das soziale Netzwerk um unzählige Funktionen. Doch was fehlt noch zum Web 2.0 Betriebssystem? Nähe. All die Anwendungen, die über Facebook Connect oder die Social Experience mittels Facebook Like-Button im Netz verstreut liegen, sind immer noch zu weit entfernt. Lokale Standardsoftware und Rich-Client-Anwendungen müssten in die Cloud, also in Facebook, ausgelagert und integriert werden.

Stell Dir vor. Du arbeitest an einem Projekt. In Facebook kannst Du über den Browser auf Google und alle anderen Web-Inhalte zugreifen. Du recherchierst mit Facebook, liest Artikel, kannst bookmarken, kommentieren und teilen. Durch den Like-Button und die Kommentarfunktion begleiten Dich die Gedanken und Hinweise Deiner Freunde bei der Suche. Alles wäre unmittelbar miteinander verbunden.
Und so unwahrscheinlich ist das Ganze nicht. Mit seinem „project titan“, dass Facebook aktuell in der Pipeline hat, sollen den über 400 Millionen Usern ein eigener Web-Mail-Client und eine Facebook-eMail-Adresse zur Verfügung gestellt werden. Ich hoffe man ist so visionär, dass auch andere eMail-Dienste über Facebook abgerufen werden können.
Facebook als OEM, Home, Professional und Enterprise Edition?

Interessant ist auch Docs.com von Microsoft, das Facebook-Nutzern über Connect direkten Zugriff auf eine webbasierte Office Suite gewährt. Integriert in Facebook, könntest Du direkt in Facebook Dokumente aufsetzen, gemeinsam bearbeiten und teilen.
Wie die Standardbetriebssysteme auf PCs, müsste auch Facebook im Netz mit einigen Standardanwendungen daher kommen, damit der Nutzer sofort versteht, das Facebook eben nicht nur ein Social Network ist, sondern ein Arbeitswerkzeug. Die Eckpfeiler des Netzes, die zur Zeit verstreut im Netz über den Browser zu finden sind, müssten integraler Bestandteil sein. Ein Mail-Programm, eine Office Suite, YouTube und über einen App Store müssten sich auch „große Programme“ wie Photoshop per Klick kaufen und unmittelbar integrieren lassen.
Der Entwicklungsverlauf, der sich abzeichnet, ist äußerst interessant. Mir fällt gerade der Name dieser großen Firma nicht ein … Bob … nein, Bill … Water … nein, Gates. Genau: Microsoft. Hatten die nicht mit Windows XP und Vista versucht mehr Daten der Nutzer zu erhalten und Menschen stärker zu vernetzen? Tatsächlich war damals die Zeit scheinbar noch nicht reif für so viel Offenheit. Doch langsam gräbt das Netz Kerben in die digitale Aufmerksamkeit der Nutzer und die Hemmschwelle im Umgang mit persönlichen Informationen im Netz sinkt.
Facebook entwickelt sich von innen heraus. Das Open Graph Protokoll ist ein erster Schritt. Der Like-Button, als Fingerabdruck der Freunde auf beliebigen Internetseiten, bietet die Chance zu mehr sozialer Nähe und Interaktion. Als Betriebssystem müsste Facebook derart offene Schnittstellen haben, dass die Nutzer wirklich alle Programme und Informationsströme dort ungehindert zusammenfassen könnten. Der Nutzer müsste Facebook nie wieder verlassen und wäre gefangen im Gate zum Netz ohne Streuverluste. Oh. Moment mal!

:-D Sehr innovativ. Eigentlich ist das doch die AOL-Software von Früher!!! Aber wie gesagt, vielleicht war damals die Zeit und das Produkt einfach nicht reif. Ein super Beispiel dafür, dass man Komplexität eigentlich nie reduziert, sondern immer nur wieder und wieder verschiebt.
Gruß
Matthias